11. März 2026
Wachstum braucht Grenzen. Grenzen brauchen klare Regeln.
Die Schweiz wächst. Zürich wächst. Uster wächst. Jahr für Jahr. Wo liegen die Grenzen des Wachstums? Wenn wir unsere Lebensqualität bewahren wollen, brauchen wir klare Regeln.
Die Schweiz wächst. Zürich wächst. Uster wächst. Jahr für Jahr. Auf dem Papier wirkt das abstrakt. In der Realität spüren wir die negativen Folgen des unbegrenzten Wachstums jedoch immer deutlicher – insbesondere auch in unseren Schulzimmern und im gesellschaftlichen Zusammenhalt. Unser Staat hat neben der Gewährleistung der Sicherheit eine weitere zentrale Aufgabe: Er muss eine qualitativ gute Schulbildung sicherstellen. Genau in diesem Bereich stossen wir zunehmend an Grenzen.
In vielen Klassen im Kanton Zürich kann ein erheblicher Teil der Kinder dem Unterricht sprachlich kaum folgen. 45 Prozent der Primarschulkinder im Kanton Zürich kommen aus Familien, in denen nicht Deutsch – weder Schweizerdeutsch noch Hochdeutsch – gesprochen wird. Über 30 Prozent der Schulen weisen heute einen Anteil fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler von über 40 Prozent auf. Unsere Lehrkräfte leisten Grosses. Doch fehlende Grundkenntnisse lassen sich nicht einfach ausgleichen.
Sprache ist die Grundlage für Integration, für das Zusammenleben und für das Mitkommen im Unterricht. Wer sie nicht beherrscht, hat Mühe, dem Stoff zu folgen. Gleichzeitig gerät das Leistungsniveau der gesamten Klasse unter Druck. Je höher die Zuwanderung, desto grösser wird dieser sprachliche Integrationsbedarf – und desto stärker wird das System
belastet.
Darum haben wir im Kantonsrat das Thema aufgenommen, verbindliche Mindestkenntnisse in Deutsch zu verlangen, bevor ein Kind in die ordentliche Regelklasse übertritt. Wer dieses Niveau nicht erreicht, soll zunächst in einer separaten Klasse intensiv Deutsch lernen. Erst nach Erreichen eines definierten, niveaugerechten Mindeststandards erfolgt der Übertritt in die ordentliche Klasse. Das ist in der aktuellen Lage ein notwendiger Schritt zur Sicherung der Bildungsqualität.
Wachstum muss sinnvoll sein. Jede Gesellschaft hat ihre Belastungsgrenzen. Wer Verantwortung trägt, darf diese Entwicklung nicht einfach verwalten, sondern muss sie steuern. Wer Verantwortung trägt, muss sich der Frage stellen: Wo liegen die Grenzen des Wachstums? Denn die Frage ist nicht, ob es Grenzen gibt – sondern ob wir den Mut haben, sie festzulegen.
Wenn wir unsere Lebensqualität bewahren wollen, brauchen wir klare Regeln. Darum plädiere ich für ein Ja am 14. Juni zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz».
Text: Anita Borer, Kantonsrätin
